Hans-Blumenberg-Gesellschaft

Leistungsbeschreibung. Literarische Strategien bei Hans Blumenberg (Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz, 14-16. Juni 2018)

In den Forschungen zum umfangreichen Werk Hans Blumenbergs wird in der Regel seine enge Zugehörigkeit zur Phänomenologie übersehen. Aus dieser Zugehörigkeit folgen jedoch zwei zentrale Aspekte des Werkes: Es thematisiert kulturelle Leistungen, insbesondere solche eines anthropologisch ‚geerdeten‘ Bewusstseins, und es wählt dafür das Verfahren, um nicht zu sagen: die Methode, der Beschreibung. Während die Frage nach kulturellen Leistungen mit Bezug auf Debatten über das Anthropozän an aktueller Resonanz gewinnt, lässt sich der Beschreibungsimperativ mit rezenten kulturwissenschaftlichen Diskussionen zur Praxeologie in Verbindung bringen. Der Zusammenhang von Gegenstand (Leistungen) und Methode (Beschreibung) wird bei Blumenberg weitgehend als fraglos und gleichsam naturgegeben gedacht – er bleibt als solcher unthematisch. Für einen Phänomenologen, der Selbstverständlichkeiten nicht hinzunehmen, sondern aufzuklären hat, ist das nachgerade skandalös – für einen Wissenschaftler außerhalb der Phänomenologie ist Beschreibung – vor allem im Bereich der Unbegrifflichkeit – indiskutabel, weil ‚bloße Literatur‘.

Hier setzt die Tagung an. Sie fragt nach dem Zusammenhang von kulturellen Leistungen und ihrer Beschreibung in Blumenbergs Werk. Insbesondere will sie wissen, wie genau – bis in die rhetorisch-stilistische Faktur hinein – sich die Schreibverfahren dieses Autors den jeweiligen Gegenständen seiner Texte ‚anschmiegen‘, welche Formen von Literarisierung sich dabei – entgegen einer weit verbreiteten philosophischen Nüchternheitsmaxime – beobachten lassen, inwiefern sich die Vielfalt der von Blumenberg eingesetzten Textsorten (Aufsatz, Abhandlung, Lexikonartikel, Essay, Anekdote, Fabel, etc.) als Ausdifferenzierung des ausgesprochen proteischen Sprechaktes ‚Beschreibung‘ verstehen lässt (und inwiefern auch gerade nicht!) und welche (z.B. darstellungstechnische, wirkungsästhetische oder marktstrategische) Motivationen sich hinter der Literarisierung des Beschreibens verbergen.

Organisiert von: Prof. Dr. Ulrich Breuer (ulrich.breuer@uni-mainz.de) bzw. Dr. Timothy Attanucci (tattanuc@uni-mainz.de)